Wanderausstellung "Gegen das Vergessen"
Wanderausstellung "Gegen das Vergessen" 

Gegen das Vergessen

Interview mit Thomas Geve. Die Fragen stellte Dagmar Doms-Berger für die Sächsische Zeitung / Döbelner Anzeiger)

Dagmar Doms-Berger: Viele Holocaust-Überlebende haben die Erfahrung gemacht, dass ihnen kaum geglaubt wurde, was sie erzählten, weil es so ungeheuerlich war, so unvorstellbar. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? 

 

Thomas Geve: Seit 1956 verwendete ich ein Pseudonym für meine Aufzeichnungen. Ich habe damals nie mit Leuten über die Lager gesprochen.

 

Wann haben Sie Ihren Kindern das erste Mal vom Holocaust erzählt? Wie haben sie reagiert?

 

Ich berichtete meinen Kinder über meine Erlebnisse als diese 13 Jahre alt waren. Ohnehin erfuhren sie in der Schule sehr viel über den Holocaust.

Quelle: Thomas Geve privat

Sie wurden 1943 gemeinsam mit Ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert. Ihre Mutter sahen Sie dort nur noch ein einziges Mal für einen kurzen Moment, ohne zu wissen, dass es das letzte Mal ist. Haben Sie jemals Rachegedanken gegenüber den Deutschen gehegt?

 

Die meisten der Gefangenen, die mir halfen, die 22 Monate in den Lagern zu überleben, waren Deutsche.

 

Können Sie sich noch an den besonderen Tag im April erinnern, als das Konzentrationslager Buchenwald von den amerikanischen Soldaten befreit wurde? Können Sie uns ein paar Gedanken schildern? Oder gab es vielleicht auch begleitende Ängste?

 

Am 11. April 1945 erschienen die amerikanischen Panzer, und im Lager selbst befreiten uns bewaffnete Gegangene. All das wird in meinem Buch erläutert, in den Ausgaben von 1958, 1981, 1987, 1993 und nun in 2021!

 

Wissen Sie um die rechtsradikalen und neonazistischen Tendenzen einschließlich antisemitischer Denkweisen in Deutschland? Was sagen Sie denen? Was entgegnen Sie den Holocaustleugnern?

 

Das alles ist sehr weit weg von mir. Es ist, als würde man sagen, die Erde ist flach.

 

Sie kamen als Jugendlicher ins KZ. Der Tod war allgegenwärtig. Wie gelang es Ihnen damit umzugehen?

 

Wir haben immer auf eine bessere Zukunft gehofft. Je länger wir in den Lagern überlebten, desto mehr hatten wir das Gefühl, einmal auch die Befreiung zu erleben.

 

Haben Sie sich damals die Frage gestellt, warum ausgerechnet die Juden?

 

Es wird oft vergessen, doch wird es in vielen Büchern dokumentiert. Hitler wollte die Hilfe anderer Europäer haben, um ab 1939 schwarze Kriegsgefangene, ab 1933 Kommunisten, ab 1934 Homosexuelle, ab 1941 asiatische Kriegsgefangene, Zigeuner und Juden zu töten.  

 

Ihren Vater haben Sie nach dem Krieg wiedergefunden. Gab es noch weitere Familienmitglieder, die den Holocaust überlebt haben?

 

Wir waren eine kleine Familie. Niemand sonst überlebte.

 

Vielen Dank für die Zeit, die Sie sich genommen haben und das Interview. 

François Maher Presley

Stiftung für Kunst und Kultur
(Gemeinnützige Treuhandstiftung unter dem Dach der Haspa Hamburg Stiftung)
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20457 Hamburg

 

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