Wanderausstellung "Gegen das Vergessen"
Wanderausstellung "Gegen das Vergessen" 

Gegen das Vergessen, Wanderausstellung 10. Station

Programm zur Vernissage der Ausstellung am Sonntag, 06.02.2022, 11 Uhr

Dauer: 06.03.2022 bis 05.04.2022

 

im ehemaligen Silbermann-Museum Am Schloss 3

 

Begrüßung durch Ingo Ließke, Leiter der Stiftungsgalerien in Waldheim

 

Musikalischer Rahmen durch Marius Lehmgrübner und Arthur Sattler

Menuett, Ab-Dur / G. F. Händel

 

Einführung in die Ausstellung durch Reiner Hentschel, Bürgermeister

 

Musikalischer Rahmen durch Marius Lehmgrübner und Arthur Sattler

Trumpet Voluntary / J. Stanleay

 

Grußwort und Erföffnung der Ausstellung durch Matthias Damm, Landrat Mittelsachsen

 

Musikalischer Abschluss durch Marius Lehmgrübner und Arthur Sattler

"Prelude und Aria" aus English Suite / R. B. Fitzgerald

 

Reiner Hentschel

Meine erste Reise nach Israel im Jahr 1993 führte mich u.a. in die weltberühmte Gedenkstätte „Yad Vashem“ auf dem Mount Herzl in Jerusalem.

Die ersten Überlegungen für eine Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem reichen in das Jahr 1942 zurück. Am 19. August 1953 verabschiedete das israelische Parlament, die Knesset, einstimmig das Yad-Vashem-Gesetz. Am 29. Juli 1954 wurde auf dem Mount of Remembrance (Mount Herzl | Har ha-Zikaron) westlich von Jerusalem der Grundstein für das zentrale Museumsgebäude von Yad Vashem gelegt. Das Museum und weitere bis dahin bereits fertiggestellte Teile der Gedenkstätte wurden 1957 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Seither wurde Yad Vashem kontinuierlich erweitert und ausgebaut. Das weitläufige Gelände umfasst eine Vielzahl von Skulpturen und einzelnen Gedenkstätten.

Die „Halle der Erinnerung“ (hebräisch אוהל יזכור, Ohel Jizkor) beherbergt die Gedenkflamme für die Opfer des Holocaust. Diese Flamme in Form eines zerbrochenen Bronzekelchs, steht in der Mitte der Halle. Davor befindet sich eine Steinplatte, unter welcher Asche aus den Konzentrationslagern begraben ist. In der Halle sind die Namen der 22 größten Konzentrationslager in den Boden eingraviert, die exemplarisch für alle Orte der Vernichtung stehen.

Die „Allee der Gerechten unter den Völkern“ ist gesäumt von Bäumen, die für die „Gerechten“ gepflanzt wurden. Mit den Gerechten unter den Völkern sind nichtjüdische Personen und Organisationen gemeint, die sich dem NS-Regime widersetzten, um Juden zu retten. Ihre Namen und ihre Herkunftsländer sind neben den Bäumen auf Tafeln vermerkt (z.B. Oskar Schindler).

Im „Garten der Gerechten unter den Völkern“ werden seit 1996 für nichtjüdische Retter Platten mit ihren Namen angebracht. Hier finden auch die Verleihungszeremonien des Ehrentitels für diese Personen statt.

Das für mich beeindruckendste Denkmal wurde im Jahre 1987 errichtet. Dieses „Denkmal für die Kinder“ ist dem Gedenken an die 1,5 Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Kinder gewidmet. Es ist als unterirdischer Raum angelegt, in dem fünf Kerzen in der Dunkelheit so reflektiert werden, dass ein ganzer Sternenhimmel entsteht. Im Hintergrund werden die Namen, das Alter und der Geburtsort der Kinder von einem Tonband abgespielt. Dieses Endlosband braucht ungefähr drei Monate (!), um alle Namen wiederzugeben.

Bei all meinen nachfolgenden Besuchen gerade dieses Teiles der Gedenkstätte, habe ich nur ganz wenige Besucher den Ausgang verlassen sehen, die nicht Tränen in den Augen hatten. Gerade die unschuldigste und schwächste Gruppe einer Gesellschaft.

In der „Halle der Namen“, dem letzten Raum im Rundgang des Museums zur Geschichte des Holocaust, werden die Namen und persönlichen Daten der jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes gesammelt. Als Grundlage hierfür dienen die Angaben auf „Gedenkblättern“, die von Verwandten und Bekannten der Ermordeten gemacht werden. Oft sind die Gedenkblätter die einzigen Erinnerungen an die Opfer.

Das „Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten“ erinnert mit einem alten Reichsbahnwagen an die Transporte in die Konzentrationslager; der Waggon steht über dem Abhang auf einer ins Nichts führenden Brückenkonstruktion und ist ein originaler Transportwagen, der von der polnischen Regierung an Yad Vashem übergeben wurde.

Auf einer Fläche von etwa einem Hektar wird im „Tal der Gemeinden“ (hebr: בקעת הקהילותBik'at haKehilot) auf 107 Steinwänden der über 5000 jüdischen Gemeinden, die während der Shoah ganz oder teilweise vernichtet wurden, gedacht.[1]

Auf meinen Reisen nach Israel konnte ich bereits vielen Freunden diese einzigartige Gedenkstätte vorstellen. Tief beeindruckt verließ keiner das Areal wie er gekommen war.

Die ‚Shoah‘ war die Ermordung von Millionen Juden durch Nazi-Deutschland und seine Mordkomplizen. Neueste wissenschaftliche Untersuchungen zeigen auf, dass der Unterdrückungs- und Vernichtungsapparat des NS-Regimes weitaus größer war, als bislang befürchtet. Die Forscher listen in ihren Studien etwa 42.500 Plätze in Europa auf, an denen die Nazis Menschen hungern ließen, mit Zwangsarbeit quälten und umbrachten. 30.000 Lager für Sklavenarbeiter, 1150 jüdische Ghettos, 980 Konzentrationslager, 1000 Kriegsgefangenenlager, 500 Bordelle, in denen Frauen zur Prostitution gezwungen wurden. Dazu Tausende andere Camps, die dafür genutzt wurden, Gefangene zu germanisieren, Frauen zu Abtreibungen zu zwingen, psychisch Kranke in Euthanasie-Aktionen zu ermorden und Häftlinge für den Transport in die Todeslager zu sammeln.

15 bis 20 Millionen sollen Opfer der Maschinerie geworden sein. 15 bis 20 Millionen Menschen, die in den Lagern litten; viele davon starben durch Hunger, Seuchen oder die Hand der deutschen Besatzer.

Die Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten begann bereits im Jahr 1933 und war anfänglich gegen die Juden Deutschlands gerichtet, die innerhalb weniger Jahre von vollen Staatsbürgern zu rechtlosen Verfolgten wurden. Die Massenvernichtung selbst fand während des Zweiten Weltkriegs in Europa statt.

Juden hatten keine Fluchtmöglichkeit und waren nirgendwo sicher. Die Zerstörung der Gemeinden allein reichte den Tätern jedoch nicht. Ihr Ziel war die Vernichtung des gesamten Volkes – bis zum letzten Juden. Allein Jude zu sein, war für sie ein Verbrechen, für das es nur eine Strafe - den Tod - gab. Männer, Frauen, Alte und Kinder, Gläubige und Säkulare, Gesunde und Kräftige, Kranke und Schwache – ihnen allen drohten Leid und Tod. Im Laufe des Krieges wurde der Großteil der europäischen Juden ermordet. Blühende jüdische Gemeinden, die jahrhundertelang gewachsen waren, wurden zerstört.

Was die Geschichte jedoch auch belegt, ist die Tatsache, dass dies nicht die erste Shoah war. Pogrome im Mittelalter in ganz Europa belegen dies. Der Umfang und die Brutalität der Shoah im 2. Weltkrieg waren jedoch einzigartig.

Ich bin Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. In unserer Kirchenliteratur können wir im Buch Mormon im 9. Kapitel im Vers 11 lesen: „…und nur ein paar Jahre sind vergangen, seit sie ein gesittetes und ein angenehmes Volk waren“.

Diese Aussage sollte uns Mahnung sein, dass die Achtung vor seinem Nächsten von jedem nie verloren gehen sollte.

Ich wünsche Ihnen, liebe Besucherinnen und Besucher, einen besinnlichen und interessanten Rundgang durch die Ausstellung gepaart mit der Dankbarkeit, in Frieden leben zu können.


[1] Wikipedia

François Maher Presley

Stiftung für Kunst und Kultur
(Gemeinnützige Treuhandstiftung unter dem Dach der Haspa Hamburg Stiftung)
Ecke Adolphsplatz 3, Großer Burstah
20457 Hamburg

 

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